Pflegenoten
Geschrieben von webmaster am February 02 2011 00:46:10


Essen, 01. September 2010

„Die Pflegenoten haben Bewegung in die Qualitätsdiskussion in der Pflege gebracht und Transparenz hergestellt, wo es vorher keine gab. Wir sind deshalb nach wie vor der Auffassung, dass mit den Pflegenoten grundsätzlich der richtige Weg beschritten wurde. Wir als Medizinischer Dienst haben bereits eine Reihe von Vorschlägen zur kurzfristigen Weiterentwicklung vorgelegt“, erklärte Dr. Peter Pick, Geschäftsführer des MDS aus Anlass der Veröffentlichung eines Urteils des Sozialgerichts Münster am 30. August.

Im Februar hatten Experten der MDK-Gemeinschaft einen Evaluationsbericht vorgelegt, in dem sie Nachbesserungen durch eine stärkere Gewichtung von bewohnerbezogenen Risikokriterien forderten. Auch die Autorinnen der Ende Juli veröffentlichten wissenschaftlichen Evaluation zur Beurteilung der Pflege-Transparenzvereinbarungen, Prof. Dr. Martina Hasseler und Prof. Dr. Karin Wolf-Ostermann, plädieren für eine Einbeziehung von Risikokriterien in die Notenberechnung. Außerdem schlagen sie eine Überprüfung der Stichprobenziehung vor.

„Grundsätzlich haben sich die Pflegenoten bewährt. Aber wir sollten jetzt die Hinweise der Wissenschaftlerinnen und Fachleute aufgreifen und das Instrument zügig so weiterentwickeln, dass die Kinderkrankheiten behoben werden. Dabei sollten vor allem Risikokriterien ein stärkeres Gewicht erhalten. Mängel bei personenbezogenen Kriterien – zum Beispiel bei der Ernährung, der Flüssigkeitsversorgung oder der Vermeidung von Druckgeschwüren – müssen sich künftig stärker in der Bereichs- und in der Gesamtnote niederschlagen. Im Interesse der Pflegebedürftigen müssen wir dafür sorgen, dass der Prozess hin zu mehr Qualität und Transparenz nicht ins Stocken gerät“, sagte Pick.

Hintergrund:
Seit Dezember 2009 werden die Ergebnisse von MDK-Qualitätsprüfungen mit Noten von „sehr gut“ bis „mangelhaft“ im Internet und in den Pflegeeinrichtungen veröffentlicht. Eine Reihe von Einrichtungen mit schlechten Noten hat bereits gegen die Veröffentlichung geklagt, Dabei waren verschiedenen Gerichte zu unterschiedlichen Entscheidungen gekommen, zuletzt das nordrhein-westfälische Landessozialgericht in Essen am 14. Mai 2010 mit der Entscheidung dass die Veröffentlichung eines Transparenzberichts kein verfassungswidriger Eingriff in die Rechte des betroffenen Pflegeheimbetreibers ist, wenn ein faires, neutrales, objektives und sachkundiges Prüfverfahren nach der Pflege-Transparenzvereinbarung stationär (PTVS) vorausgegangen ist. Das Sozialgericht in Münster hat dagegen in einem am Montag (30. August 2010) veröffentlichten Urteil die Veröffentlichung des Transparenzberichtes eines Pflegeheimes in Westfalen untersagt.